Erbanlagen

Anfang des Jahres sprach mich das Manager Magazin bei der Recherche für einen Artikel an, der das Anlageverhalten der Deutschen über die letzten 60 Jahre beleuchten sollte. Eine Frage war, ob es eine typisch deutsche Sparkultur gibt. Tatsächlich setzten auch schon die früheren Generationen vor allem auf risikoarme (und steuerlich geförderte) Kapitallebensversicherungen und Bausparpläne. Auch heute legen die meisten Sparer laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GFK ihr Geld in traditionellen Anlageformen an. Tagesgeld und Festgeld haben dem Sparbuch und den Lebensversicherungen zwar den Rang abgelaufen, aber an der Gesamtrisikoneigung hat sich wenig geändert. Mehr als 80% des Geldvermögens liegen daher auch heute noch in recht sicheren Anlagen. Der Rest ist in Aktien und Fonds investiert. Im aktuellen Zinsumfeld bedeutet dies jedoch auch, dass sich die Vermögen weniger rentieren als in anderen Ländern, in denen die Aktienquote (und auch der Immobilienbesitz) traditionell höher liegt. Die traditionelle Sicherheitsorientierung mag auch zumindest eine Teilerklärung dafür sein, dass die Deutschen im europäischen Vergleich einer der Schlusslichter beim Vermögen pro Kopf sind. Gerade vor dem Hintergrund, dass die jüngeren Generationen mehr privat für die Altersvorsorge tun müssen, ergibt sich auch gesellschaftlich die Notwendigkeit, zumindest einen Teil der Sparsumme in das Produktivkapital der Wirtschaft anzulegen – will heißen: Aktienfonds bzw. ETFs zu kaufen. Produktivkapital wirkt auch anders als Rentenpapiere als Inflationsschutz. Steigen die Preise, steigen auch die Umsätze der Unternehmen. Auf die spannende Anfangsfrage, warum in Deutschland weniger in Aktien investiert wird als in manch anderen Ländern, gibt es meines Erachtens mehrere Antworten. Da mag es einerseits generell ein stärker ausgeprägtes Sicherheitsdenken gegeben haben. Andererseits unterschieden sich jedoch die Rahmenbedingungen zwischen den Ländern. Lebensversicherungen wurden bei uns stark steuerlich gefördert, die gesetzliche Rentenversicherung hat die Altersvorsorge größtenteils abgedeckt, so dass für die breite Bevölkerung kaum private Altersvorsorge nötig war und schließlich war – vielleicht auch als Folge der vorgenannten Aspekte – das Thema Wertpapieranlage so gut wir gar nicht auf dem Radar der Massenmedien oder Thema in der Ausbildung. All das ändert sich derzeit. Meine Vermutung ist daher, dass sich das Sparverhalten in Deutschland anpassen wird und zwar hin zu gezielter, dosierter Risikoaufnahme. Hier erwarte ich auch eine Reihe an Innovation aus der Finanzbranche, die diesen Schritt für die Sparer günstiger, einfacher und vor allem auch fehlerresistenter machen werden.

Quelle: Manager Magazin, Heft 3/2013

Hier gehts zum original Artikel auf Deutschland lernt Sparen.

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