Experten meinen. Ein Interview mit Stefan Erlich von Kritische-Anleger.de

IMG_5797webKannst Du Dich unseren Lesern kurz vorstellen?
Mein Name ist Stefan Erlich, ich bin 33 Jahre alt und lebe seit einigen Jahren in der Bankenmetropole Frankfurt am Main. Anfang 2012 habe ich das Verbraucherportal Kritische-Anleger.de gegründet, nachdem mir aufgefallen war, wie viele Anlageprodukte auf den großen Vergleichsportalen fehlen, weil die hinter den Produkten stehenden Anbieter keine Provisionen zahlen. Ich wollte ein ehrliches, faires und transparentes Portal aufbauen, das nicht nur alle Angebote listet, sondern diese auch im Sinne der Anleger und Verbraucher unabhängig bewertet. Mittlerweile sind wir ein Team von drei Redakteuren und ich würde behaupten, dass wir bei unseren Nutzern teilweise sogar ein höheres Vertrauen genießen als die Zeitschrift Finanztest.

Was tust Du sonst so in Deiner Freizeit?
Ich reise leidenschaftlich gern. Gerade bin ich in Singapore und fliege morgen für 1,5 Wochen nach Laos. Dadurch, dass Kritische-Anleger.de ein reines Online-Unternehmen ist, kann ich von fast überall arbeiten. Das Reisen hat dann zwar nur noch wenig mit dem klassischen Urlaub zu tun, aber dafür habe ich die Freiheit, meine Trips sowohl zeitlich als auch geografisch relativ frei zu gestalten. Darüber hinaus ist mein Unternehmen schlichtweg auch ein wichtiger Teil meiner Freizeit geworden. Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt zunehmend.

Welche Formen der Geldanlage machen zur Zeit überhaupt noch Sinn?
Ohje, zu diesem Thema könnte man ganze Vorlesungen halten. Es gibt derzeit ja sehr extreme Meinungen dazu. Die einen sind große Aktienbefürworter und lehnen klassische Sparkonten wie Tagesgeld- und Festgeld aufgrund der nominal relativ niedrigen Zinsen komplett ab. Andere wiederum haben große Angst vor Aktien und bunkern ihr komplettes Vermögen in Tagesgeld- und Festgeld, oder, noch besser, im vermeintlich sicheren Betongold. Weder die eine noch die andere Meinung ist in dieser Einseitigkeit richtig.

Die Zinsen mögen derzeit niedrig erscheinen, sie sind aber nach Abzug der Inflation (reale Rendite) auf einem Niveau, das wir außer in 2015 das letzte Mal in 2010 gesehen haben. Denn nicht nur die Zinsen sind niedrig, auch die Inflation bewegt sich seit Monaten unter der 1-Prozent-Linie. Klassische einlagengesicherte Anlagekonten haben also durchaus noch ihre Berechtigung. Darüber hinaus gilt die alte Anlageweisheit, dass ein guter Mix aus verschiedenen Anlageklassen (Tagesgeld, Festgeld, Aktien, Anleihen, physisches Gold, Immobilien) die Chancen auf geringe Verluste und gute Renditen in der Zukunft optimiert. Ich formuliere das bewusst so vorsichtig, da niemand die Zukunft kennt und man nicht der Versuchung unterliegen sollte, von vergangenen Renditen auf die zukünftigen zu schließen. Als Anleger kann man durch eine breite Streuung und das Senken der Anlagekosten nur seine Chancen optimieren. Eine Garantie für üppige Renditen, egal über welchen Zeitraum, gibt es schlichtweg nicht.

Die aus meiner Sicht beste Geldanlage ist und bleibt allerdings die eigene Bildung. Wir werden es in Zukunft mit meiner Meinung nach immer schärferer (und vor allem günstigerer) Konkurrenz aus dem Ausland zu tun bekommen. Zudem werden mehr und mehr menschliche Jobs durch automatisierte Prozesse ersetzt werden. Das klingt jetzt reichlich abstrakt, aber ich sehe dafür ganz konkrete Beispiele in meiner eigenen Arbeit. Bei uns prüft z. B. täglich ein automatisierter Crawler die Zinsdaten der Banken. Wir schauen am Ende nur noch einmal kurz über das Ergebnis, ob alles korrekt durchgelaufen ist. Und Vaamo selbst ersetzt ja auch den klassischen Bankberater. Technisch und fachlich gesehen braucht heute niemand mehr einen persönlichen Berater. Wer heute nicht in seine eigene (Fort-)Bildung investiert, um Aufgaben erledigen zu können, die eine Maschine (noch?) nicht erledigen kann, der wird es in Zukunft deutlich schwerer haben, überhaupt Vermögen durch Sparen aufzubauen.

Was ist die meistgestellte Frage auf Eurem Portal und die Antwort dazu?
Ganz klar die Frage nach der Sicherheit einer spezifischen Bank X. Es ist nicht nur die häufigste Frage, sondern auch meine absolut ungeliebteste. Hintergrund ist, dass wir natürlich Bilanzen und Kennzahlen analysieren können, um die Sicherheit einer Bank zu beurteilen. Diese Analysen sind aber stets rückwärtsgewandt. Viele Banken haben z. B. noch nicht einmal Bilanzen für 2015 veröffentlicht, sodass wir uns die Bilanzen von 2014 anschauen müssen. Wir beurteilen damit also womöglich die Sicherheit einer 3-jährigen Festgeldanlage im Jahr 2019 auf Basis von Zahlen aus 2014. Das macht häufig nur bedingt Sinn. Wir versuchen dann meist unser Bestes, aus dem, was uns vorliegt, gewisse Risikoindikationen zu erschließen, aber man muss sich einfach der beschränkten Aussagekraft dieser Indikationen bewusst sein. Aus meiner Sicht ist auch hier nicht die Sicherheit einer Einzelanlage entscheidend, sondern die breite Streuung über möglichst viele Anlagen hinweg. Nur dann kann man unabhängiger werden von unvorhersehbaren Einzelereignissen (siehe Volkswagen-Skandal, Lehman-Pleite etc.). Diese Denke ist vielen Anlegern allerdings nur schwer zu vermitteln, weshalb der Strom an Fragen nach der Sicherheit einzelner Banken wahrscheinlich nicht abebben wird.

Was machst Du hinsichtlich Deiner eigenen Geldanlage?
Ich versuche, möglichst breit über alle Anlageklassen zu streuen, habe aber gleichzeitig relativ viel Liquidität in Form von Tagesgeld angelegt, da meine Lebensplanung für die kommenden 5-10 Jahre noch ziemlich offen ist. Liquidität ist im Übrigen auch eine nicht zu unterschätzende Klasse für sich, denn Liquidität schafft Freiheit und Flexibilität – quasi eine nicht-monetäre Rendite. Man muss dann aber natürlich auch die Disziplin haben, diese Liquidität nicht für unnötigen Konsum auszugeben. Auch das ist eine meiner Lehren der letzten 4 Jahre bei Kritische-Anleger.de: Geldanlage ist eine sehr individuelle Frage. Es kommt viel auf die eigene Psyche, die persönliche Spardisziplin und vor allem auch die Lebensplanung bzw. Risikoneigung an.

(Anmerkung der Redaktion: Auf Kritische-Anleger.de könnt Ihr gerne Erfahrungsberichte zu vaamo veröffentlichen https://www.kritische-anleger.de/vaamo/erfahrungen/).

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