Experten meinen. Interview mit Dr. Gerd Kommer, Leiter der Niederlassung London von FMS Wertmanagement

kommer-dsc02987Kannst Du Dich unseren Lesern kurz vorstellen?

Ich leite die Niederlassung London der FMS Wertmanagement und den Geschäftsbereich Infrastructure Finance. Die FMS ist ein Asset Manager und die „Bad Bank“ der ehemaligen Hypo Real Estate Bank. Das Unternehmen gehört dem deutschen Staat. Daneben schreibe ich hobbymäßig Artikel und Bücher zum Thema Finanzen für Privatanleger im deutschsprachigen Raum. Eines meiner Buecher, „Souverän Investieren mit Indexfonds und ETFs“, hat dieses Jahr den Deutschen Finanzbuchpreis gewonnen. Ein anderes mit dem Thema „Kaufen oder mieten“ ist vor wenigen Monaten in seiner zweiten, überarbeiteten Auflage erschienen. Ab Januar 2017 werde ich mich in München mit einem eigenen Finanzberatungsunternehmen für vermögende Privatkunden selbstständig machen.

Was tust Du sonst so in Deiner Freizeit?

Ich gehe ein paar Mal im Monat tanzen – Swing, argentinischen Tango und Salsa – treibe ein bisschen Sport – Golf im Sommer, Skifahren im Winter. Darüber hinaus mache ich seit 15 Jahren gesundheitsorientiertes Krafttraining und gehe oft auf Städtereisen. Für den Kopf lese ich viel über Investment-bezogene Themen, weil mir das Spaß macht. Und ich schreibe gerne zu Finanzthemen.

Du beschäftigst Dich schon lange mit passiven Investmentansätzen und erklärst Privatanlegern, wie sie ihr Geld sinnvoll selbst anlegen können. Worauf sollen Privatanleger bei der Geldanlage aus Deiner Sicht den Fokus legen?

Auf diese Frage könnte man 100 seitenlang antworten aber ich versuch’s mal ganz ganz kurz: Privatanleger sollten spätesten ab Mitte 30 anfangen, kontinuierlich Vermögen zu bilden, das heißt entweder eine selbstgenutzte Wohnimmobilie finanzieren oder ein Kapitalmarktportfolio besparen. Im Falle des Kapitalmarktportfolios sollten sie fanatisches Buy-and-Hold, radikale Kostenminimierung und maximale globale Diversifikation praktizieren. In einem solchen Portfolio dürfen Aktien nicht fehlen. Am besten geht so etwas mit einem passiven ETF-Portfolio. Was die selbstgenutzte Immobilie betrifft: Die ist zwar auf lange Sicht für den durchschnittlichen Häuslebauer weder sehr rentabel, noch sehr risikoarm, aber sie zwingt zum langfristigen Sparen, jedenfalls dann, wenn anfänglich 60% oder mehr über einen Kredit finanziert wurde. Dieses Sparen oder Investieren, ob mit Kapitalmarktanlagen oder Eigenheim, hat nichts mit Quatsch à la „schnell reich werden“, „Geheimtipps“ oder „Rettung vor dem Eurokollaps“ zu tun. Es führt beinahe automatisch zur Vermögensbildung, wenn man es kontinuierlich über Jahrzehnte zur Dauergewohnheit macht, so wie Zähneputzen. Allein auf der Basis der gesetzlichen Rentenversicherung werden jedenfalls die Geburtsjahrgänge ab 1960 ihren vor Beginn der Rentenphase erreichten Lebensstandard im Ruhestand nicht halten können.

Wie stehst Du zu den noch neuen digitalen Anlageangeboten von Robo-Advisors wie vaamo?

Ich halte Robo-Advisor für eine sehr erfreuliche Innovation im Finanzdienstleistermarkt für Vermögensbildung und Altersvorsorge von Privatanlegern. Banken und konventionelle Anlageberater haben hierbei in den vergangenen Jahrzehnten leider erbärmliche Leistungen erbracht und ich glaube nicht, dass sich das in absehbarer Zukunft ändern wird. Der Staat hat ebenfalls versagt, weil ein umlagefinanziertes Rentensystem, so wie wir es in Deutschland seit über 100 Jahren haben, strukturelle, nicht reparierbare Konstruktionsmängel besitzt. Unter den sozioökonomischen Bedingungen, die hierzulande und in anderen entwickelten Ländern mit Beginn der 70er Jahre einsetzten, wird es immer schlechter funktionieren, will heißen, mickrige Renditen auf die eingezahlten Beiträge produzieren und innergesellschaftliche Konflikte verstärken. Dass die kapitalmarktbasierten staatlichen Initiativen wie Riester- und Rürup-Sparen durchschlagende Erfolge sind, wird auch kaum jemand behaupten. Rob-Advisor können – vor allem Anlegern, die nicht zur finanziellen Oberschicht gehören – helfen, die Misere zu lindern, die die traditionelle Finanzindustrie und der Staat verschuldet haben.

Was machst Du hinsichtlich Deiner eigenen Geldanlage?

„I put my money where my mouth is“, wie die Yankees sagen. Ich investiere selbst genauso, wie ich es in meinen Büchern empfehle: Mit einem global diversifizierten passiven Buy-and-Hold-Portfolio aus Indexfonds –  ein „Weltportfolio“. Dabei werden so genannte Faktorprämien gegenüber dem reinen Marktportfolio etwas übergewichtet, um langfristig ein klein wenig Extrarendite herauszuholen. Jeden Monat kommt etwas per Sparplan zum Portfolio hinzu. Seit ich damit Ende der 90er Jahre angefangen habe, habe ich noch nie eine einzige Anlage verkauft, allenfalls alle paar Jahre in preisgünstigere Indexfonds umgeswitcht, wo das steuerunschädlich möglich war. Trotz viel zwischenzeitlichem Auf- und Ab an den Börsen bin ich damit sehr gut gefahren und der Arbeitsaufwand war nahe Null.

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