Finanzgeschehen im Juni

Auch im Juni wurden an den globalen Börsen neue Bestmarken gesetzt. Ob die US-Leitbörsen Dow Jones und S&P 500 oder in Europa der DAX, Anleger konnten sich über neue Rekordhochs freuen. Zuletzt wurde der Optimismus aufgrund der Sorgen vor einer baldigen Straffung der Geldpolitik allerdings gedämpft. So schickte der Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi mit einigen Äußerungen die Gemeinschaftswährung auf ein 1-Jahres-Hoch und die Börsen nach unten. Die Bedenken vor einer baldigen geldpolitischen Wende sind allerdings unbegründet.

DAX mit Rekordhoch und Rückfall auf April-Niveau

Der DAX kann stellvertretend betrachtet werden, um die Börsen-Entwicklung in Europa zu erklären. Sehr gute fundamentale Daten aus der Eurozone, ein Rückgang der Arbeitslosigkeit auf Mehrjahres-Tief und eine sehr zuversichtliche Stimmung unter Unternehmen wie Konsumenten halfen dem DAX im Juni bis knapp an die 13.000-Punkte-Marke zu steigen. Betrachtet man den Durchschnitt der Eurozonen-Einkaufsmanagerindex-Werte, die die Zuversicht der Unternehmen widerspiegeln und gleichzeitig als guter Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung dienen, dann könnte die Wirtschaft im gemeinsamen Währungsraum im zweiten Quartal noch stärker gewachsen sein als im ersten Quartal und auch erneut die USA hinter sich lassen. Dem gesunden Bild an den Börsen hat der Europäische Zentralbankchef Mario Draghi allerdings mit seinen jüngsten Äußerungen, die, wenn man den anschließenden Versuch der Beruhigung seiner Notenbank-Kollegen betrachtet, unbeabsichtigt einen Hieb versetzt. So erklärte er, dass er eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung in Europa erwartet und zuversichtlich ist, dass die Inflation bald in Richtung Zielwert steigen wird. Eigentlich unspektakulär, an den Märkten wurde jedoch spekuliert, ob die europäische Geldpolitik bald gestrafft wird. Als Resultat fielen die Kurse von europäischen Staatsanleihen, die im Rahmen des milliardenschweren Wertpapieraufkaufprogramms der EZB erworben werden und der Euro stieg auf ein 1-Jahres-Hoch gegen den USD. Ein starker Euro schwächt die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten, europäischen Wirtschaft und zog so die Börsen-Indizes in Mitleidenschaft und den DAX auf April-Niveau.

Inflation bleibt schwach

Die Unruhe an den Märkten dürfte sich allerdings bald legen, denn ein wesentlicher Faktor der die Geldpolitik beeinflusst, die Verbraucherpreisentwicklung, bleibt weiterhin hinter der Zielrate der EZB zurück. So hat sich die Inflationsrate im Juni gegenüber dem Vormonatswert weiter abgeschwächt. Nachdem im Mai noch ein Anstieg um 1,4 % gegenüber dem Vorjahresmonat vermeldet wurde, fiel die Teuerung im Juni auf 1,3 %. Akuten Handlungsdruck auf die EZB löst dies nicht aus. Zumal die Verbraucherpreise im Juni durch saisonale Effekte gestützt wurden, die im nächsten Monat bereits wieder entfallen werden.

USA heben Zinsen zum zweiten Mal an

In den USA hat die zögerliche Normalisierung der Geldpolitik mit einem vierten Zinsanhebungsschritt seit Ausbruch der Finanzkrise auf nun 1,25 % bereits begonnen. Allerdings zweifeln die Marktteilnehmer zunehmend daran, dass die US-Geldpolitiker rasch die nächsten Zinsschritte einleiten werden. Die am Markt gehandelte Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschrittes noch dieses Jahr sind zuletzt unter 50 % gefallen. Denn auch in den USA bleibt die Inflation hinter der gesetzten Zielrate von 2 % zurück. Zusätzlich jedoch ist die wirtschaftliche Dynamik allenfalls robust. Das letzte was die Notenbanker ob in Europa, den USA oder Japan möchten, ist durch eine verfrühte Straffung der Geldpolitik der wirtschaftlichen Erholung zu schaden oder das Schreckgespenst einer Deflation wieder hervorzuholen. Für die Börsen bedeutet dies weiterhin extrem günstige Liquidität bei einer guten Konjunkturentwicklung.

Die Inhalte dieses Marktkommentars dienen lediglich der allgemeinen Information. Sie stellen keine unabhängige Finanzanalyse und keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Sie sollten nicht als vorrangige Entscheidungsgrundlage für eine Anlageentscheidung herangezogen werden.

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